Zu wenig Vitamin D bei Kindern: Gründe und Rachitis als mögliche Folge

Viele Kinder in Deutschland weisen einen zu niedrigen Vitamin D-Spiegel im Blut auf. Woran liegt das und welche Folgen kann das haben?

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Stabile Knochen benötigen Calcium – und damit auch Vitamin D.

Für die Stabilität unserer Knochen spielt Calcium eine entscheidende Rolle. Aber was hat Vitamin D damit zu tun? Kurz gesagt: Vitamin D sorgt in erster Linie dafür, dass die in unserer täglichen Nahrung enthaltenen Mineralien Calcium und Phosphat über den Magen und Darm gut vom Körper aufgenommen und in die Knochen (und in die Zähne) eingebaut werden. Medizinisch wird dieser Vorgang „Mineralisierung“ genannt – und nur damit können stabile, gesunde Knochen heranwachsen.

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Vitamin D spielt eine zentrale Rolle für Knochenstabilität von Babys, Kleinkindern und Kindern

Es erschließt sich schnell, warum Vitamin D gerade für Neugeborene und Kinder so wichtig ist: Ihre Knochen sind noch nicht vollständig ausgebildet und befinden sich noch im Wachstum – daher benötigen sie ausreichend Calcium, um gesund heranwachsen und sich gut festigen zu können. Ohne Vitamin D wäre das nicht möglich und hätte ernste Folgen. Und während im ersten Lebensjahr der Vitamin D-Spiegel aufgrund der empfohlenen Rachitisprophylaxe meist noch ausreicht, nimmt er danach häufig ab und das Risiko für einen Mangel steigt.

Warum das „Sonnenvitamin“?

Vitamin D wird häufig als das „Sonnenvitamin“ bezeichnet – aber warum? Das hängt damit zusammen, wie es gebildet wird: Wir nehmen es nämlich kaum, so wie die anderen Vitamine, mit der Nahrung zu uns, sondern produzieren es im Körper selbst. Dafür brauchen wir aber eine entscheidende Zutat – die Sonne, genauer: ihre UVB-Strahlung. Sie trägt dazu bei, dass in unserer Haut das so wichtige Vitamin D gebildet wird. Über die Nahrung nehmen wir nur etwa 10 bis 20 % des benötigten Vitamin D zu uns.
Lesen Sie mehr über „Was ist Vitamin D?“

Zu wenig „Sonnenvitamin“: Viele Kinder neigen zu Vitamin D-Unterversorgung.

Viele Kinder und Kleinkinder bekommen in Deutschland zu wenig Sonne

Deutschland ist Mangelland – zumindest, was die Versorgung mit Vitamin D bei Kindern angeht.

Eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts zur Kindergesundheit (KiGGS) wies nach, dass der Vitamin D-Spiegel im Blut bei fast jedem zweiten Kind im Alter von eins bis 17 Jahren unter 50 nmol/l lag. Diese Werte spiegeln die nachträglich standardisierten Daten wider. Die Standardisierung wurde vorgenommen, da die Messmethoden zu unterschiedlichen Messergebnissen führen. Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Altersgruppen wird deutlich, dass insbesondere nach den ersten beiden Lebensjahren der Anteil der gut mit Vitamin D versorgten Kinder deutlich abnimmt:

So liegt bei ca. 75 % der Mädchen und fast 80 % der Jungen im Alter von eins bis zwei Jahren eine ausreichende Vitamin D-Versorgung vor, da für diese Altersgruppe die regelmäßige Gabe von Vitamin D zur Rachitisprophylaxe kinderärztlich empfohlen ist. Bei den älteren Kindern hingegen sinkt der Anteil und beträgt beispielsweise bei den sieben- bis zehnjährigen Mädchen nur noch ca. 51 % und den gleichaltrigen Jungen 58 %.

Worin liegt die häufige Vitamin D-Unterversorgung begründet?

  • Hauptgrund ist die Lage Deutschlands:
    Hier auf diesen Breitengraden ist eine nennenswerte körpereigene Bildung von Vitamin D über die Sonne überhaupt nur von circa März bis Oktober bei einem Aufenthalt im Freien möglich. In dieser Zeit kann der Körper neben der akuten Bedarfsdeckung auch Vitamin D-Reserven im Fett- und Muskelgewebe anlegen, auf die er in der dunklen Jahreszeit zurückgreifen kann. Häufig reichen diese aber nicht aus.
  • Veränderte Gewohnheiten
    Kinder und Jugendliche verbringen ihre Freizeit immer weniger draußen im Freien, wo sie das nötige Sonnenlicht tanken könnten. Stattdessen beschäftigen sie sich eher in Innenräumen, wo die nötige UVB-Strahlung von den Fenstern weitgehend absorbiert wird.
  • Sonnenschutz
    Um die empfindliche Haut von Kindern und Kleinkindern vor den negativen Folgen von zu viel Sonnenstrahlung zu bewahren, werden sie richtigerweise vor der Sonne geschützt. Nachteil: Dadurch kann das Sonnenlicht mitunter nicht für eine ausreichende Eigenproduktion von Vitamin D in der Haut sorgen.

Wieviel Sonne kann ich meinem Baby bzw. Kind zumuten?

Wieviel Sonne kann ich meinem Baby bzw. Kind zumuten?

Während des ersten Lebensjahrs sollte sich das Baby nur im Schatten aufhalten, geschützt durch leichte Kleidung und ein Hütchen. In der heißen Mittagszeit sollten die Kleinsten im Haus bleiben, insbesondere im Urlaub in südlichen Ländern.
Auch bei älteren Kindern (und den Eltern) sollte der Sonnenschutz aus verschiedenen Komponenten bestehen: Schatten, Bekleidung, Hut mit Krempe, Sonnenbrille mit hochwertigen UV-Gläsern, Sonnenschutzmittel.
Eine Faustregel besagt: Die Hälfte der Zeit bis zum möglichen Sonnenbrand ist unbedenklich. Aber auch dabei nicht vergessen: Selbst im Schatten bzw. unter Wolken ist man der UV-Strahlung ausgesetzt.

Rachitis und weitere mögliche Folgen von zu wenig Vitamin D bei Babys und Kindern.

Reicht die tägliche Dosis Sonnenstrahlung nicht aus, um für eine ausreichende Vitamin D-Produktion zu sorgen, kann es nach und nach zu einem Vitamin D-Defizit kommen. Erste Anzeichen eines solchen Mangels bei Ihrem Kind könnten möglicherweise sein:

  • Müdigkeit
  • verminderte Immunfunktion
  • Muskelschwäche

Eine schwerwiegendere Folge von Vitamin D-Mangel ist Rachitis

Rachitis ist schon seit vielen Jahrhunderten als schmerzhafte Knochenerkrankung bei Kindern bekannt. Durch mangelnde Mineralisierung bleiben die Knochen weich, sie verformen sich und können ihre vollständige Funktion nicht erfüllen. Erst Mitte des letzten Jahrhunderts fanden Wissenschaftler die Ursache für die Erkrankung heraus: fehlendes Vitamin D. Daher ist es heute üblich, Säuglingen während des ersten Lebensjahres Vitamin D in einer täglichen Einzeldosis zur Rachitisprophylaxe zu geben.

Lesen Sie mehr über Vitamin D-Mangel

Täglich Vitamin D zur Rachitisprophylaxe

Weitere Vitamin D-Einflüsse auf den Körper

Das Wissen rund um Vitamin D ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Inzwischen ist auch klar, dass Vitamin D, abgesehen von der Knochenmineralisation, noch an vielen weiteren Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt ist. Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass so gut wie jede Zelle Vitamin D-Rezeptoren aufweist.

Sie gehen zunehmend davon aus, dass Vitamin D auch an Abläufen des Immun- und Herz-Kreislauf-Systems sowie dem Glucose-Stoffwechsel beteiligt ist. Mit der richtigen Vitamin D-Versorgung von Anfang an sorgen Sie also dafür, dass sich Ihr Kind gut entwickeln kann.

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Häufig gestellte Fragen zum Thema Vitamin D

Wie wird Vitamin D bei Kindern richtig dosiert?

Wie wird Vitamin D bei Kindern richtig dosiert?

Durch die in den letzten Jahren hinzugewonnenen Erkenntnisse zu den vielfältigen Wirkungen von Vitamin D wurde ersichtlich, dass die tägliche Zufuhr von Vitamin D nicht ausreichend sein könnte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat im Jahr 2012 ihre Empfehlung auf 800 I. E. Vitamin D (20 μg) täglich (bei fehlender körpereigener Vitamin D-Produktion) für Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr festgesetzt. Andere Fachgesellschaften empfehlen sogar höhere tägliche Dosierungen.

Die DGE empfiehlt die Zufuhr von 800 I.E. Vitamin D täglich für Kinder ab einem Jahr ebenso, wie für Erwachsene – sofern keine körpereigene Bildung in der Haut erfolgt.

Schätzwerte für die Vitamin D-Zufuhr nach Altersstufen Empfehlungen der DGE
Säuglinge bis 12 Monate 400 I.E.
Kinder ab einem Jahr, Jugendliche und Erwachsene, sowie Schwangere und Stillende

800 I.E.

Bitte beachten Sie die für Dekristol in der Packungsbeilage angegebene Tageshöchstdosis.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)** empfiehlt für alle Säuglinge eine orale Supplementierung mit 400-500 I.E. Vitamin D3 pro Tag bis zum zweiten erlebten Frühsommer, also je nach Geburtszeitpunkt für die Dauer von 1 bis 1,5 Jahren. Die wünschenswerte Vitamin D-Gesamtaufnahme (aus sonnenlichtabhängiger, körpereigener Synthese sowie enteraler Aufnahme) für Kinder ab dem Alter von einem Jahr, für Jugendliche und Erwachsene beträgt 600 bis 800 I.E. pro Tag.

*EFSA: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit.
**Vitamin-D-Supplementierung jenseits des zweiten Lebensjahres, DGKJ 2018

Wie wird Vitamin D im Körper gespeichert?

Wie wird Vitamin D im Körper gespeichert?

Gerade im Sommer bei ausreichend hoher sonneninduzierter Eigenproduktion lagert sich Vitamin D hauptsächlich im Fett- und Muskelgewebe des menschlichen Körpers an. Geringere Mengen finden sich auch in der Leber. Die Speicherkapazität von Vitamin D ist insgesamt relativ groß, da unser Körper in der dunklen Jahreszeit auf seine Vitamin D-Speicher zurückgreifen muss.

Kann es zu Vitamin D-Überdosierungen kommen?

Kann es zu Vitamin D-Überdosierungen kommen?

Überdosierungserscheinungen können nach der Anwendung von Vitamin D auftreten, wenn eine größere Menge eingenommen wurde als vorgesehen. Auch bei ordnungsgemäßer Dosierung sind wie bei allen Arzneimitteln Nebenwirkungen möglich.

Nähere Angaben finden Sie in den Gebrauchsinformationen:

Gebrauchsinformation für Dekristol® 400 I.E.
Gebrauchsinformation für Dekristol® 500 I.E.
Gebrauchsinformation für Dekristol® 1000 I.E.


Zur Information: allgemeine Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für die tägliche Vitamin D-Gabe maximale Werte festgelegt, die nicht überschritten werden sollen:

  • Für Erwachsene und für Kinder ab 11 Jahren liegt die zulässige Gesamtzufuhrmenge bei 4000 I.E. Vitamin D pro Tag.
  • Für Kinder von 1 bis 10 Jahre sind es 2000 I.E. Vitamin D pro Tag, die maximal zugeführt werden dürfen, Säuglinge im Alter von 0 bis 6 Monaten nehmen höchstens 1000 I.E. pro Tag ein. Im Alter von 6 bis 12 Monaten beträgt die maximale Tageszufuhr 1400 I.E.

Diese maximale Tagesdosierung bezieht sich auf die Vitamin D-Zufuhr aus allen Lebensmitteln und Arzneimitteln. Eine über diese Maximalwerte hinausgehende regelmäßige tägliche Zufuhr kann unerwünschte Wirkungen wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung nach sich ziehen.

Aus medizinischen Gründen können jedoch mitunter höhere Vitamin D-Dosen ärztlich angezeigt sein. Diese werden dann vom behandelnden Arzt entsprechend verordnet und für eine bestimmte Zeit eingenommen.

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